rudolf heller

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für
bildende
kunst
Christina Lammer

Buch & Malerei

Zwei Bilder. Verdoppelung. Gleichzeitigkeit. Zufall. Rudolf Heller thematisiert in seinen Arbeiten die Unmöglichkeit der Parallelität. Zeit und Raum bedingen einander. Ohne Raum keine Zeit, die sich ausdehnt und ohne Zeit kein Raum, der sich ausbreitet. Doppelt sehen.

RAUM

wknr1387abDas Charakteristische an Rudolf Hellers Werk der vergangenen Jahre, das nun als Buch mit dem Titel Bilder zur Parallelität vorliegt, ist neben der Verdoppelung der transparente Bildträger. Die Farbe wird auf einen Malgrund aufgetragen, eine transparente Folie, die keineswegs der konventionellen Leinwand in der Malerei entspricht, sondern den Zufall an die Oberfläche bringt. Vorderseite und Rückseite verschmelzen zu einem durchscheinenden Ganzen. Der Raum wird durch die geometrische Symmetrie versinnbildlicht. Die totale Spiegelgleichheit kippt.

ZUFALL

Verfahren der Ähnlichkeit zählen zu den wesentlichen Kulturtechniken unserer Zeit. Rudolf Heller spielt mit diesen Techniken, verrückt sie, codiert sie neu und erzeugt Vorstellungsräume, die in eine Dramaturgie von Licht, Bildkörper und leichter Stofflichkeit eingebunden sind und auf den ersten Blick irritieren. Der Zufall, der durch den glatten Grund der Folie hervorbricht, gerinnt zu feinen, fragilen Farbäderchen, die unverkennbar für jene Strukturen stehen, mit denen Rudolf Heller arbeitet.

ZEIT

Der Arbeitsprozess eingebunden ins zeitliche Kontinuum: Die Gleichzeitigkeit manifestiert sich am Beginn der Werkgruppe Bilder zur Parallelität im Nebeneinander des Malprozesses. 1998 – zwei Künstler malen zugleich, einer rechts, einer links. 2002 – der Künstler malt erst rechts, dann links. 2003 – das Oval löst sich auf. 2005 – die ovale Formsprache wird durch Blüten und das Vegetative ersetzt. Bereits im Akt des Malens ist der performative Inhalt festgelegt.

Performance

Künstlerhaus Wien, 2005

The Ribbon Round Your Neck. Tom Waits. Der Maler Rudolf Heller verkörpert in seinen Bildern die Zeit und den Raum. Wie ein Faden sind die Biografie und der persönliche Werdegang des Künstlers in den Malprozess hinein verwoben. Gleichzeitigkeit als intendierter Vorstellungsraum. Zwillingsbilder. Anfang und Ende. Spiegel ohne Spiegelbild. Wir alle spielen Theater.

AKTIONSRAUM

Warum eine Performance? Das Räumliche und das Zeitliche – die Zufälle im Gleichzeitigen – haben in jedem Medium unterschiedliche Bedeutungen und sind nicht festzuhalten. Wenn der Künstler in seinem Genre Zeit und Raum verkörpert, definiert er im eigenen Schaffen einen Aktionsraum.

SPIELRAUM

Künstlerhaus Wien, 2005Zeitlichkeit definiert den Spielraum, der auf den transparenten Bildfolien von Rudolf Heller durchschimmert, die mit der Leichtigkeit des Zufälligen in eins gehen und zudem auf eine lebendig changierende Sehnsucht verweisen. Gehen durch die Zeit. Ein Blick zurück. Kehrt nie wieder. Geburt und Tod. Das Zeitliche gebiert Unheimliches. Sigmund Freud schreibt in seinem Aufsatz über Das Unheimliche (1919) „Liebe ist Heimweh.“ Das Band legt sich um den Hals. Zwei Module bestimmen die Performance. Gehen und Sprechen. Erich Kästner als Taktgeber: „Ich bin die Zeit.“

AUGENBLICK

Der performative Akt zeigt sich nicht nur in Rudolf Hellers Arbeitsweise, in der die Dimensionen Zeit und Raum sich immer wieder auflösen. Der Augenblick des Zufälligen spiegelt sich in der Performance in der parallelen Inszenierung der Sprech- und Gehakte wider. Selbst wenn die skizzierten Koordinaten identisch aufgerollt werden, unterscheiden sich die Ergebnisse. Begegnet der Künstler diesem Eigensinn der Gleichzeitigkeit mit spielerisch ironischem Gestus der Überzeichnung, eröffnen die SchauspielerInnen einen neuen Raum, der im Augenblick der Improvisation liegt.

Film

Eine dritte Inszenierung von Zeit und Raum. Über den Ausschnitt definiert Rudolf Heller den Inhalt. Im dokumentierten Raum blitzt der Zufall wie ein Funken auf. Film spielt mit Wiederholung. Spiegelung. Leuchtende Reflexion. Vegetative Muster verbinden sich mit Nahaufnahmen vom menschlichen Gesicht. Die Feinstofflichkeit der Materie wird als zeitlicher Rhythmus in der Regie festgelegt und gleichzeitig vom ‚inneren Film’ der BetrachterInnen permanent aufgelöst.

REGIE

In der Bildserie Vegetativ arbeitet Rudolf Heller mit Kategorien, die dem Medium Film nah sind. Vegetativ bedeutet nicht nur pflanzlich, sondern in der Biologie beispielsweise ungeschlechtlich oder in der Medizin verweist der Ausdruck auf das Unbewusste. Das vegetative Nervensystem spiegelt sich in den zarten Strukturen eines Blütenblatts wider, die der Künstler nicht nur in Bilder zur Parallelität festzuhalten sucht, sondern zugleich im Leben und in den Menschen, denen er auf seinem Weg durch die Zeit begegnet.

RHYTHMUS

Dreharbeiten zur DVD - ICH BIN DIE ZEITDie latente Unruhe, die Rudolf Hellers Wesen anhaftet, wird im Film spürbar, zeichnet sich hingegen nicht unbedingt in seinen Bildzwillingen ab, die eher Ruhe und Schönheit an die sichtbare Oberfläche bringen. Diese Gegensätzlichkeiten, die nur schwer zu erfassen sind, machen das filmische Konzept aus. Sich dem Zufall überlassen. Die feinen Unterschiede erkennen, die das Leben ausmachen. Der Künstler thematisiert das Existenzielle als unruhigen Rhythmus, der in Harmonie mündet, die manchmal erst mit viel Verzögerung in unser Bewusstsein vordringt. Manche erkennen sie nie. Wechselwirkungen zwischen Nähe und Distanz bestimmen die Vorstellungsräume, die auch im Film nur dann greifbar sind, wenn sich BetrachterInnen dafür öffnen.

SCHNITT

Der Künstler arbeitet mit verletzlichen Materialien. Staccato. Mit den Ausschnitten, die er wählt, markiert Rudolf Heller inhaltlich den Zufall und das, was die schwer begreifbaren Gleichzeitigkeiten an berührenden Ereignissen hervorbringen. Spannung. Rudolf Heller: „Ich will den Mund groß sehen, wenn sie spricht.“ Er schneidet in einen lichtempfindlichen, transparenten Bildkörper, der in Zeiten der digitalen Medien die charakteristischen Merkmale, die das Werk des Malers ausmachen, in sich trägt.
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